Der gläserne Mensch – eine schreckliche Zukunftsvision

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catsoul
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Der gläserne Mensch – eine schreckliche Zukunftsvision

Beitragvon catsoul » So 9. Dez 2018, 22:27

Der gläserne Mensch – eine schreckliche Zukunftsvision

Alles begann im Jahr 2020. Da wurden den Asylsuchenden kleine Chips eingepflanzt. So wollte man verhindern, dass sich einige in mehreren Orten unter anderen Namen anmeldeten, um mehr Sozialhilfe zu bekommen.
Man wollte damit der Bürgerbewegung der Rechten den Wind aus den Segeln nehmen und dieser immer größer werdenden Gruppe Einhalt gebieten.

Große Erfolge wurden verkündet und in den Medien überlegte man sofort ob diese Chips nicht auch an Straftäter ausprobiert werden könnten. So könne man die Menschen vor Verbrechen besser schützen, wenn die Polizei anhand der aufgezeichneten Ortungsdaten zweifelsfrei jeden Verbrecher überführen konnte. Freudig wurden diese Vorschläge zwei Jahre später realisiert.

Einige Zeit später waren die Chips so ausgereift, dass man damit seine Einkäufe bezahlen konnte. Viele andere Daten wurden auf dem Chip gespeichert. So konnte ein Arzt beispielsweise die Krankendaten des Patienten auslesen. Man begann damit Neugeboren mit dem Chip direkt nach der Geburt auszustatten, die Eltern bekamen bei dieser Gelegenheit auch gleich einen Chip verpasst. Erklärt wurde das damit, dass man so immer genau wisse, wo sich sein Kind gerade aufhält – und das Kind könne natürlich auch nachschauen wo seine Eltern sind, falls es sich einmal verlaufen sollte ... dafür gab es eine entsprechende App, die jeder kostenlos im Internet herunterladen konnte.
Diese App war direkt mit dem Facebook-Account verbunden und so wussten natürlich auch alle Freunde, wo man sich gerade aufhielt.

Selbst Amerika interessierte sich inzwischen für die innovative Erfindung aus Deutschland.

Es war eine Industrie entstanden, die sich mit der Herstellung von diesen Chips befasste, deren Wartung übernahm und viele Ärzte spezialisierten sich darauf kaputte Chips auszutauschen. Wobei die Schwierigkeit darin bestand, kaputte Chips zu orten. Manche wanderten im Körper des Trägers vom Handgelenk, in das sie transplantiert waren, über den Arm in den Brustkorb oder den Bauchraum. Solange die Chips funktionierten, war das kein Problem. Bezahlen oder geortet werden funktionierte trotzdem noch und auch Türen öffneten sich immer noch automatisch, wenn man sich ihnen näherte.

Man musste einmal monatlich zur Wartung, und dort wurde jeder durchleuchtet, damit man die aktuelle Position des Chips dokumentieren konnte. Problematisch war am Anfang, dass diese Information nur auf dem Chip zu finden war. Aber schon bald entstand eine neue Behörde, die ein Verzeichnis der sogenannten biometrischen Daten anlegte – streng geschützt versteht sich – mit doppelt und dreifacher Sicherung in verschiedenen Clouds.

Nach und nach wurde die gesamte Bevölkerung Deutschlands und dann ganz Europa mit den Chips ausgestattet. Ab da war es möglich innerhalb Europas, später der ganzen Welt, zu reisen, ohne irgendwo einen Pass vorzeigen oder haufenweise Geld mit sich herumschleppen zu müssen.

Problematisch wurde es, wie gesagt nur, wenn ein Chip ausfiel. Denn dann war man ein Niemand, ohne Geld und Bleibe, ohne Aussicht auf Hilfe. Man musste sich an eine andere – ebenfalls neu gegründete Behörde wenden – und nachweisen, dass man der ist, der man ist.
Einigen wenigen blieb diese Prozedur erspart, hatten sie doch genügend Geld und Beziehungen, um trotzdem immer und überall gesehen oder eben nicht gesehen zu werden.

Und wenn man Pech hatte und jemanden, der einem nicht wohl gesonnen war, konnte man ganz schnell in Schwierigkeiten kommen. Ein paar K-O-Tropfen oder ein wenig Chloroform und man fand sich am Ort eines Verbrechens wieder – keiner glaubte den Unschuldsbeteuerungen – denn die Technik ist unfehlbar!
So füllten sich nach und nach die Gefängnisse mit Menschen, die nicht Mainstream waren oder die sich weigerten an die Technik zu glauben.

Und dann kam der große weltweite Stromausfall, ausgelöst durch mehrere Umweltkatastrophen … nichts ging mehr. Und aus dem technikverliebten gläsernen Menschen wurde ein Mensch, der sich wieder mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen musste und aus diesem düstern Kapitel der Menschheitsgeschichte hoffentlich gelernt hat.


Feedback ausdrücklich erwünscht!
Danke!
Katzi
P.S.: Die Geschichte ist für eine Lesung zum Thema 'Transparenz' - wir lesen zu verschiedenen Kunstwerken in einer Ausstellung.
Das passende Kunstwerk sieht so aus:
angela_durchsichtig-kl.jpg
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Meine Anmerkungen und Hinweise sind stets nur als Hinweise zu verstehen, sie müssen weder umgesetzt werden noch muss sich der jeweilige Autor damit auseinander setzen.

... bin ne Schmusekatze die auch kratzen kann und manchmal schlage ich alles um mich in Stücke, nur um nicht merken zu müssen, dass es meine Seele ist die weint *knuddelschnurr*

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Re: Der gläserne Mensch – eine schreckliche Zukunftsvision

Beitragvon angela » Mo 10. Dez 2018, 18:15

Große Erfolge wurden verkündet und in den Medien überlegte man sofort, ob diese Chips nicht auch an Straftäter ausprobiert werden könnten.

Da wurden den Asylsuchenden kleine Chips eingepflanzt. So wollte man verhindern, dass sich einige in mehreren Orten unter anderen Namen anmeldeten, um mehr Sozialhilfe zu bekommen.
Man wollte damit der Bürgerbewegung der Rechten den Wind aus den Segeln nehmen und dieser immer größer werdenden Gruppe Einhalt gebieten.

Große Erfolge wurden verkündet und in den Medien überlegte man sofort ob diese Chips nicht auch an Straftäter ausprobiert werden könnten. So könne man die Menschen vor Verbrechen besser schützen, wenn die Polizei anhand der aufgezeichneten Ortungsdaten zweifelsfrei jeden Verbrecher überführen konnte. Freudig wurden diese Vorschläge zwei Jahre später realisiert.

Einige Zeit später waren die Chips so ausgereift, dass man damit seine Einkäufe bezahlen konnte. Viele andere Daten wurden auf dem Chip gespeichert. So konnte ein Arzt beispielsweise die Krankendaten des Patienten auslesen. Man begann damit Neugeboren mit dem Chip direkt nach der Geburt auszustatten, die Eltern bekamen bei dieser Gelegenheit auch gleich einen Chip verpasst. Erklärt wurde das damit, dass man so immer


Da würde ich noch wenigstens ein dass rauswerfen

So finde ich den Text schon gut, hier habe ich ein Verständnisproblem:

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Und wenn man Pech hatte und jemanden, der einem nicht wohl gesonnen war, konnte man ganz schnell in Schwierigkeiten kommen. Ein paar K-O-Tropfen oder ein wenig Chloroform und man fand sich am Ort eines Verbrechens wieder – keiner glaubte den Unschuldsbeteuerungen – denn die Technik ist unfehlbar!
So füllten sich nach und nach die Gefängnisse mit Menschen, die nicht Mainstream waren oder die sich weigerten an die Technik zu glauben.


Das ist doch heute auch so. Wenn da deine DNA gefunden wird, ist das auch reichlich blöd.
Und ganz am Schluss würde ich konkreter werden, Im Jahr sowieo kam es zur Katastophe, dann folgten xyz

Problematisch wurde es, wie gesagt nur, wenn ein Chip ausfiel. Denn dann war man ein Niemand, ohne Geld und Bleibe, ohne Aussicht auf Hilfe. Man musste sich an eine andere – ebenfalls neu gegründete Behörde wenden – und nachweisen, dass man der ist, der man ist.


Das ist heute auch schon so. Das haben wir schon mit unserem Jüngsten in Kanada durch. Den gab es praktisch nicht mehr. Kein Papier, kein Mensch. Ohne Papier auch kein neues Papier. Er hatte nur das Glück, dass ihm in B.C. noch eine Führerscheinstelle ein neues Dokument gegeben hat. In New Brunswick ging das nicht. Ohne unsere Hilfe wäre er da mit Sicherheit gestorben.

Gute Geschichte :top: , wobei das ohnehin kommen wird.
Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.
Mark Twain

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Re: Der gläserne Mensch – eine schreckliche Zukunftsvision

Beitragvon catsoul » Di 11. Dez 2018, 22:29

Danke, liebe Angela! Ich habe das Komma eingebaut und an den 'dass' schraube ich auch gerade. ;-)

Die anderen Dinge hatte ich gar nicht bedacht, klar kann einem so etwas schon jetzt passieren ... :nixweiss:

:knuddel:
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